Alles so schön bunt hier - Photoshop 4.0


© M + K Computermarkt 97/2, Luzern, Schweiz

Autorin: Dr. Silvia Rothen, rothen ecotronics, Bern, Schweiz
Letzte Überarbeitung: 13.05.18



Gewisse Software-Produkte haben einen Standard erreicht, wo man sich zu Recht fragt, was es da noch zu verbessern gibt und ob sich ein Update denn auch wirklich lohnt. Obwohl Photoshop durchaus in die Spitzenklasse der Bildbearbeitungsprogramme gehört, sei es hier verraten: Und es lohnt sich doch! Zumindest jene, die Photoshop professionell einsetzen, werden einige der Neuerungen mit einem „Endlich!" begrüssen. Das zweifellos Nützlichste dürfte die Möglichkeit sein, sich wiederholende Aufgaben mit sogenannten Aktionslisten weitgehend zu automatisieren.


Inhaltsverzeichnis


Einleitung

Adobes Photoshop ist ein Klassiker, der bei der Bildbearbeitung im grafischen Gewerbe nicht nur auf Macintosh und Windows als inoffizieller Standard gilt. Schon die Version 3.0 liess mit einer Unzahl von Werkzeugen und Filtern sowohl bei der kommerziellen wie bei der künstlerischen Anwendung kaum einen Wunsch offen. Adobe muss also schon einiges bieten, um seine Kundschaft zum Kauf der neuen Version zu verleiten. Die 3D-Oberfläche im Win95-Stil mit Tool-Tips und Kontextmenüs wird dazu kaum reichen.

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Verbesserungen für den professionellen Einsatz

Tatsächlich bietet die Version 4.0 zahlreiche Neuigkeiten, wovon professionelle AnwenderInnen vor allem die folgenden schätzen werden:

Wer beispielsweise in der Werbebranche häufig hochaufgelöste Bilder für den Druck bearbeitet, ist es gewohnt, mit Dateien in der Grössenordnung von 50 bis 100 Megabyte zu hantieren. Ein Programm, das mit intelligenter Technologie die Anwendung von Filtern erheblich beschleunigt oder ermöglicht, bestimmte Arbeitsschritte in der Nacht im Batch ablaufen zu lassen, ist hier kein Luxus, sondern senkt Lohnkosten und erlaubt, die teure Hardware-Infrastruktur besser auszulasten. Die neu entwickelte Caching-Technologie dient vor allem dazu, hochaufgelöste Bilder nach Änderungen schneller anzuzeigen.

Screenshot Photoshop 4.0 mit Actionliste

Aktionslisten sind Makros, mit denen man gewisse Bearbeitungsschritte aufzeichnet, um sie anschliessend bei anderen Dateien automatisch ablaufen zu lassen. Allerdings kann man damit vor allem die Anwendung von Filtern und Korrekturen automatisieren, während die Eingabe von Text oder das Erstellen von Auswahlen und Pfaden nach wie vor von Hand erfolgt. Die Abbildung 1 und die Anleitung im Kasten geben einen Vorgeschmack darauf, wie leistungsfähig dieses neue Werkzeug ist.

Bessere Übersicht auf dem Bildschirm verspricht der Navigator. Auf diesem Miniabbild kann man direkt den Bildausschnitt verschieben oder stufenlos zoomen. Die Vergrösserung oder Verkleinerung lässt sich neu auch direkt in der Statusleiste eingeben. Magnetisches Raster und Hilfslinien sind zwei Instrumente weitere, die Photoshop aus Zeichenprogrammen entlehnt, um präzises Positionieren zu erleichtern.

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Adjustment Layers

Seit es Ebenen gibt, haben vorsichtige BenutzerInnen Änderungen ohnehin immer nur an einer Kopie einer Ebene vorgenommen. Man kann sich deshalb fragen, ob die Adjustment Layers wirklich eine sinnvolle Neuerung sind. Mit Adjustment Layers nimmt man gewisse Änderungen aus dem Menü Adjust nun nicht mehr auf dem Original vor, sondern in einer Korrekturebene darüber. Diese Korrekturebenen lassen sich kumulieren, kopieren, überblenden, verschieben, ausblenden. Sie bieten damit also noch mehr Flexibilität als Kopien von Ebenen.

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Weitere Verbesserungen

Neben diesen grossen Fortschritten gibt es zahlreiche kleine Änderungen, die effizientes Arbeiten unterstützen oder der Kreativität neue Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Zum einen hat Adobe zahlreiche Effektfilter integriert, die man vorher als Adobe Gallery Effects separat kaufen musste. Damit lassen sich weitere Mal- und Zeichentechniken wie Wasserfarben oder Holzkohle auf Fotos anwenden. Zum anderen bietet das Verlaufswerkzeug nun die gleichen Möglichkeiten wie bei Illustrator, d.h. Mehrfarbverläufe und Übergänge in transparente Bereiche. Attraktiv ist auch das neue Werkzeug „Frei transformieren", mit dem man mehrere Skalierungen, Drehungen und Verzerrungen in einem Arbeitsschritt vornehmen kann.

Beispiel Fresco-Filter

Endlich gibt es auch die Möglichkeit, für alle Formate Thumbnails zu speichern und damit in der Bildersammlung auch ohne teures Zusatzprogramm etwas mehr Überblick zu gewinnen. Überflüssig zu sagen, dass auch Photoshop dem Internet seine Ehre erweist, indem er mit Progressive Network Graphic (PNG) und dem Netscape-Grafikformat Progressive JPEG zwei Formate speziell fürs Internet unterstützt. Gerade im Internet ist man auch dankbar für das digitale Wasserzeichen, das erlaubt, Copyright-Informationen in einer Datei zu verschlüsseln und so eine bessere Handhabe bei Verletzungen des Urheberrechts zu haben.

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Goodies

Nicht zu verachten ist auch das üppig mitgelieferte Beigemüse. Die englische Version von Photoshop 4.0 trifft auf zwei CD-ROMs ein, die nicht nur das Programm und diverse Zusätze wie Plug-Ins, Texturen und Aktionslisten enthalten, sondern darüber hinaus auch lizenzfreie Fotografien, ein Tool zur Erstellung eigener Filter, den Acrobat Reader und den Type Manager sowie Video-Tutorials mit z.T. verblüffenden Tips und Tricks für Photoshop. Wer es nicht glaubt (und den amerikanischen Slang nicht scheut), sei auf das Video über die Entfernung eines roten Flecks auf der ersten CD verwiesen (Digital Stain Remover von Russell Brown im Kapitel Overview).

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Schwachstellen

Einige Nachteile und Unterlassungssünden seien hier nicht verschwiegen: Die Palettitis hat Ausmasse erreicht, die das Arbeiten mit einem 15-Zoll-Bildschirm eher umständlich macht. Wer nicht auf dem Macintosh mit zwei Bildschirmen arbeiten kann, schiebt ständig Paletten auf dem Bildschirm herum oder schliesst und öffnet sie, weil gerade wieder der zu bearbeitende Bildausschnitt verdeckt ist.

Auch wenn Adjustment Layers und Kopien von Ebenen es teilweise überflüssig machen, hätten doch einige Leute ein mehrstufiges Undo vorgezogen. Der exorbitante Speicherbedarf bei grossen Dateien verhindert wohl eine Korrekturmöglichkeit über mehrere Arbeitsschritte. Ein unerfreuliches Detail für geübte BenutzerInnen ist auch, dass Adobe sich zwar bemüht hat, die Bedienung noch einfacher und effizienter zu machen, dafür aber einige lange trainierte Tastaturkombinationen geändert hat.

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Vergleich mit Picture Publisher

Einige der Neuerungen, nämlich der Navigator, Aktionslisten und Thumbnails als Vorschau, kennt Picture Publisher übrigens schon seit der Version 5.0 im Jahr 1994! Trotz seiner fast ebenso ausgereiften Möglichkeiten und seinem günstigeren Preis gelang es diesem Programm nie, zum ernsthaften Konkurrenten für Photoshop zu werden. In einem Punkt ist der Picture Publisher übrigens immer noch besser: Die Objekte, die den Layern in Photoshop entsprechen, sind zwar nicht ganz so übersichtlich wie diese, lassen sich dafür aber wie Zeichenobjekte gruppieren und ausrichten, z.B. zentrieren. Diese Möglichkeit vermisst man in Photoshop zur Zeit noch. Für den Hobbygebrauch kann man den Picture Publisher durchaus als ernsthafte Alternative empfehlen.

Alles in allem zeigt die neue Version 4.0 aber, dass Photoshop zu Recht Marktleader im Sektor der High-End-Bildbearbeitungsprogramme ist. Photoshop entwickelt sich allmählich tatsächlich zu dem, was Adobes Werbung verspricht: "A camera for your mind".

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Feuerschrift - Eine Beispiel für Actions

Mit den folgenden Aktivitäten erzeugen Sie in der englischen Version von Photoshop 4.0 den Schrifteffekt im Bild und erstellen eine Actionliste, mit der Sie dessen Erstellung in Zukunft weitgehend automatisieren können.

Mit Action erzeugt Feuerschrift

Für die englische Version von Photoshop können Sie die Action auf Ihren Computer herunterladen (Download)

  1. Öffnen Sie die Actions-Palette mit WINDOW - SHOW ACTIONS.
  2. Wählen Sie im Palettenmenü der Actions-Palette NEW ACTION.
  3. Geben Sie der Actionliste einen sprechenden Namen und drücken Sie RECORD.
  4. Erzeugen Sie mit FILE - NEW ein neues, ca. 600x200 Pixel grosses Bild mit weissem Hintergrund im Grayscale mode (Auflösung 72 dpi).
  5. Klicken Sie auf das kleine Icon für Default-Vorder- und Hintergrundfarben.
  6. Geben Sie den gewünschten Text in einer beliebigen Schrift ein, beispielsweise ARIAL 120 POINTS, BOLD, ANTI-ALIASED.
  7. Halten Sie CTRL gedrückt, während Sie auf den neuentstandenen LAYER 1 in der Layers-Palette klicken. (So wählen Sie neuerdings die nicht transparenten Bereiche einer Ebene aus.)
  8. Verschmelzen Sie die Background- und die Textebene mit MERGE DOWN aus der Ebenenpalette.
  9. Wählen Sie mit SELECT - MODIFY - BORDER - PIXELSs den Rand der Selektion aus.
  10. Wenden Sie den Spezialfilter EMBOSS (FILTER - STYLIZE) mit den Eingaben ANGLE 39, HEIGHT 9 pixels und AMOUNT 60% an.
  11. Wählen Sie mit SELECT - ALL das ganze Bild aus und wenden Sie den Filter mit FILTER - EMBOSS noch einmal an.
  12. Heben Sie die Auswahl mit SELECT - NONE auf.
  13. Konvertieren Sie das Bild mit den vorgegebenen Werten in den indexed color mode (IMAGE - MODE - INDEXED COLOR).
  14. Und nun kommt der Trick am ganzen: Wechseln Sie mit IMAGE - MODE - COLOR TABLE zur Farbtabelle BLACK BODY.
  15. Beenden Sie die Aufzeichnung der Actionliste mit dem Stopknopf.
  16. Einige Schritte lassen sich nicht aufzeichnen, beispielsweise die Eingabe der Schrift. Hier müssen wir die Actionliste unterbrechen und mit einer Meldung darauf hinweisen, dass man die Schrift von Hand eingeben muss, bevor man weiterfahren kann. Aus dem Palettenmenü holen wir uns deshalb INSERT STOP und geben etwa die folgende Meldung ein: "Geben Sie jetzt einen Text oder eine Kontur in die Grafik ein und positionieren Sie sie wie gewünscht. Fahren Sie dann mit der Aktion fort." ALLOW CONTINUE darf nicht angekreuzt sein.
  17. Es empfiehlt sich, auch als ersten Befehl der Actionliste einen STOP einzufügen, um in der Meldung den Zweck der Liste zu erklären. Hier klicken wir ALLOW CONTINUE allerdings an, damit es automatisch weitergeht.

Nun können Sie Ihre Aktionsliste testen und ganz nach Wunsch auch erweitern.

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Download der Action "Feuerschrift"

Mit einem Mausklick auf den folgenden Link können Sie die Action "Feuerschrift" auf Ihren Rechner laden. Diese Action können Sie nur in Kombination mit dem Bildbearbeitungsprogramm Adobe Photoshop in der Version 4.0 verwenden. Ich habe es nicht ausprobiert, aber mit ziemlicher Sicherheit funktioniert die Action nur in der englischen Version.

Die Datei mit der Action kann in ein beliebiges Verzeichnis kopiert werden. Nach dem Start von Photoshop lässt sich die Action "Feuerschrift" im Menü der Palette ACTIONS mit LOAD ACTIONS (an Actionliste anfügen) oder mit REPLACE ACTIONS (Actionliste ersetzen) hereinholen.

Download der Action "Feuerschrift" für Photoshop 4.0, englische Version (psfeuer.zip, 2 KB)

Der Download erfolgt ohne Garantie auf Erfolg und auf Ihre eigene Verantwortung!

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Adressen und Links zu Photoshop

Links zu Photoshop finden Sie in der Webdesign-Linkliste in der Unterkategorie "Tipps und Tricks zu Programmen - Photoshop".



Diese Webseite wurde am 21.05.18 um 13:54 von rothen ecotronics erstellt oder überarbeitet.

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